„Wenn Sie mich fragen, ich finde diesen Gottlieb keinen Bösewicht, wenn auch als Zeitgenossen gefährlich. Um ein gutes Gewissen zu haben – und das braucht er, um Ruhe zu haben –, belügt er sich halt.“(Max Frisch)

Gottlieb Biedermann hat alles, was einen guten Bürger ausmacht: ein erfolgreiches Unternehmen, ein eigenes Haus mit großem Dachboden, Ehefrau und Dienstmädchen. Gerade hat er den Angestellten Knechtling entlassen, da steht der arbeits- und obdachlose Ringer Schmitz vor seiner Tür. Schnell ist Biedermann breitgeschlagen und bietet seinen Dachboden als Unterkunft an, obwohl er weiß, dass eine Gruppe von Brandstiftern in der Stadt ihr Unwesen treibt. Auch Biedermanns zunächst skeptische Frau Babette ist bald vom redegewandten Schmitz eingenommen. Doch Schmitz bleibt nicht lange allein im Hause Biedermann: Ihm gesellt sich der Kellner Eisenring mitsamt einer Anzahl von Benzinfässern zu. Ihr Plan wird immer offensichtlicher. Nie hätte Gottlieb Biedermann gedacht, dass er beim Auslegen einer Zündschnur helfen würde. Das letzte Mittel, die Fremden zu Freunden zu machen, soll eine Einladung zum Abendessen mit Gänsebraten sein.

„Was nämlich jeder voraussieht, lange genug, dennoch geschieht es an End. … Viel kann vermeiden Vernunft.“ (der Chor)

Max Frisch nannte „Biedermann und die Brandstifter“ ein „Lehrstück ohne Lehre“. Angesichts einer immer mehr in Frage gestellten liberalen Weltordnung stellt das Stück seine Aktualität unter Beweis: Ganze Gesellschaften sitzen auf einem hochexplosiven Pulverfass, es muss nur derjenige kommen, der es anzündet.

Fotos: Björn Hickmann/Stage Picture