„Denn jeder trägt“, seufzt Dorfrichter Adam, „den leid‘gen Stein zum Anstoß in sich selbst.“

Ein Krug ist zerbrochen! Für die Besitzerin Frau Marthe scheint der Fall klar: Sie beschuldigt Ruprecht, den Verlobten ihrer Tochter, das Gefäß zerstört zu haben. Ruprecht weist die Anschuldigung zurück. Er behauptet, ein Fremder sei in das Haus von Frau Marthe eingedrungen und bei seinem überstürzten Aufbruch sei der Krug zu Bruch gegangen. Und damit nicht genug: Auch das Vertrauen in seine Verlobte Eve sei beschädigt worden. Der Fremde sei nämlich ein Liebhaber Eves. Doch Eve schweigt zu den Vorwürfen. Dorfrichter Adam ist bei diesem Fall wenig bemüht, den wahren Täter zu bestrafen. Das Problem ist nämlich: Er selbst ist der Übeltäter. Immer mehr verstrickt er sich in ein Gespinst aus Lügen und Ausflüchten. Mit gewieften Verschleierungstaktiken und unlauteren Verhörmethoden setzt er allen Eifer daran, mehr Dunkel als Licht in den Fall zu bringen.

Heinrich von Kleist zeigt in seinem Lustspiel hochaktuell den Versuch, eine Lüge zur öffentlichen Wahrheit zu machen. Mittels eines sprachlichen Feuerwerks an Doppel- und Vieldeutigkeit, dichtem Wortwitz und manipulativen Strategien verstrickt Kleist seine Hauptfigur in ein Lügengespinst. Der Zuschauer wird in diesem Prozess zum unmittelbaren Zeugen der Macht der Worte.

Das gelungenste Lustspiel, das die deutsche Dramatik hervorgebracht hat. Dennoch: Hinter der juristischen Sprache des Stückes offenbaren sich Abgründe des Unbewussten und Verdrängten.