Der Hardliner gegen den Reformer – ein Machtwechsel zeichnet sich ab. Als Papst Benedikt XVI. als erster Papst seit über 700 Jahren seinen Rücktritt ankündigt, blickt er auf kontroverse Jahre zurück. Sein strenger Kurs und nicht zuletzt die Vatileaks-Affäre um Korruption, Misswirtschaft und sexuellen Missbrauch befeuerten die Forderungen nach einer Erneuerung der katholischen Kirche. Doch wer ist nun der richtige Nachfolger? Steht der argentinische Kardinal und einstige Underdog, der gegen ihn in der letzten Papstwahl nur knapp unterlegen war, bereits in den Startlöchern? Benedikt XVI. lädt den Erzbischof aus Buenos Aires, der später als Papst Franziskus in die Geschichtsbücher eingehen soll, zum Gespräch. Dieser glaubt, er würde wegen seines Ruhestands-Gesuches nach Rom gerufen. Doch das Gespräch birgt einige Überraschungen.

Ein rasantes verbales Match voller rasiermesserscharfer Argumente und ein mitreißender Blick hinter die Kulissen klerikaler Macht, der auch für Nichtgläubige erhellend ist.

Anthony McCarten zeichnet in „Die zwei Päpste“ nicht nur die brisanten Ereignisse rund um Machtverzicht und Nachfolgefrage nach, er wirft dabei auch einen hochspannenden Blick auf die Widersprüchlichkeiten und Zweifel beider Männer und deren Umgang mit der eigenen Vergangenheit.

Zum ersten Mal führt der bekannte Theater- und Fernseh-Schauspieler, Autor, Regisseur und Theaterdirektor René Heinersdorff am Wolfgang Borchert Theater Regie.

Fotos: Klaus Lefebvre & Tanja Weidner

Eintrittspreis – Einzelkarte:
19,00 € (Einheitspreis auf allen Plätzen)

Trailer und weitere Informationen:

 

PRESSESTIMMEN
Manche Bühnenwerke bekommen durch den Moment ihrer Aufführung einen Sitz im Leben. So verhält es sich auch mit dem Schauspiel „Die zwei Päpste“ von Anthony McCarten. […] Das Theater am Hafen in Münster beweist damit erneut, die Hand am Puls der Zeit zu haben. Zugleich gelingt es dem eindrucksvoll aufspielenden Ensemble, ein jüngeres Stück Kirchengeschichte, freilich dramaturgisch zugespitzt und fiktionalisiert, niveauvoll zu durchleuchten. Das kommt gut an!
Anders als im opulenten Film vertraut René Heinersdorff auf eine schlichte Bühne, wobei die an Leonardo da Vincis Sixtinische Kapelle anknüpfende Bühnenmalerei von Ann-Kathrin Otto (Sonderapplaus!) auf dem Boden noch der deutlichste Hinweis auf die heiligen Hallen des Vatikans ist. […]
Andreas Weißert, mittlerweile mit 87 Jahren älter als Joseph Ratzinger beim Rücktritt, ist Blickfang und Ankerpunkt des Abends. Er lässt den feinen bajuwarischen Akzent Ratzingers anklingen und gibt ihm zudem jene Nachdenklichkeit und Zerknirschtheit, die den an die Grenzen seiner Kraft angelangten Pontifex prägen. „Ich bin Wissenschaftler, kein Manager“, so sagt er in einer Szene.
Kongenial besetzt ist Kardinal Bergoglio mit Jürgen Lorenzen, der den scharfsinnigen Jesuiten, Nachdenker und sich in seiner Sicht auf die Welt wandelnden Kirchenmann Bergoglio facettenreich darstellt. Im ersten Teil des Stückes besprechen der amtierende und mutmaßlich künftige Papst ihre Lebensgeschichte und Glaubenskrisen noch mit den sie umhegenden Nonnen. Ivana Langmajer spielt dabei die in bayerischen Kochkünsten bewanderte und lebenslustige Schwester Brigitte, Rosana Cleve verkörpert glaubwürdig die argentinische Schwester Sophia, deren Leben von den Gewalttaten der Militärdiktatur ebenso überschattet ist wie das des Kardinals Bergoglio, der aus seiner Sicht quälend-schuldhafte Kompromisse mit der Junta eingehen musste. […]
Es spricht für Timing und Rhythmus der Inszenierung, dass sich bei der persönlichen Begegnung Ratzingers und Bergoglios im zweiten Teil eine atemlose Stille im Theater ausbreitet. Dann nämlich, wenn sie beide in einer Art Lebensbeichte über gelingendes und misslingendes Leben und ihre eigene Schuldverstrickung sprechen, über die Krisensymptome der Kirche und eine Welt, die aus allen Fugen gerät. Dann kommen allgemeinverständlich jene Probleme zur Sprache, die beharrende und reformerische Kräfte in der Kirche schon lange umtreiben: Verfall der Werte, Machtkämpfe im Vatikan, sexueller Missbrauch, Rigorismus und Moralismus im Blick auf die Lebensentwürfe der Menschen, die gebotene Nähe der Kirche zu den Armen und Gescheiterten. [Westfälische Nachrichten]

Regisseur René Heinersdorff vertraut auf das gesprochene Wort, wägt Ernst und Komik fein ab und hält die Waagschalen da in sehr angenehmem Gleichgewicht. Er verzichtet auf viel Bewegung und die Bühne gestaltet er betont schlicht: Zwei barocke Sessel und ein alter Röhrenfernseher sind alles, was benötigt wird. Lediglich der Sinn der violetten Recamière erschließt sich nicht so recht. Nach oben ist viel Raum, dafür bildet ein Michelangelo-Fresko von Ann-Kathrin Otto auf dem Boden den Hingucker. Wenn ein Papst seinen Nachfolger trifft, steht die Welt eben Kopf!

Alles geht wohltuend ruhig vonstatten und so fokussiert sich die volle Aufmerksamkeit auf die Protagonisten: Andreas Weißert ist ein würdevoll agierender Benedikt mit einem Einschlag bajuwarischer Gemütlichkeit, der beginnt, Fehler einzugestehen, sich Gedanken um seine Nachfolge zu machen und zum Schluss kommt, dass ein gegensätzlicher Nachfolger vielleicht viele Dinge besser machen könnte. Weltliche Eitelkeiten beginnt er hinter sich zu lassen – bis auf die berühmten roten Schuhe.

Schuhe trägt natürlich auch der spätere Papst Franziskus – verschlissene Ledertreter, denen man ihr Alter ansieht. Jürgen Lorenzen gibt ihn vital, ideensprühend und nah an den Bedürftigen. Aber auch weniger entrückt als Benedikt: Für ihn läuft im Fernsehen eine Fußballübertragung. Umso glaubwürdiger sind Schuldgefühle wegen seines Verhaltens während der argentinischen Militärdiktatur.

Weißert und Lorenzen zeichnen authentische Figurenportraits, die ungeheuer für sich einnehmen. Sie werden ergänzt durch Ivana Langmajer und Rosana Cleve – „ihre“ Nonnen, die für sie durchs Feuer gehen würden. [theaterpur]