Es stellt sich die Frage: Wollen wir vielleicht alle lieber belogen werden, als der Wahrheit ins Auge zu schauen? Molières Komödie, die zu Lebzeiten des Autors gleich zweimal von der Zensur verboten wurde, zeigt uns erschreckend aktuell, zu wie viel Scheinheiligkeit, Ignoranz und Selbstbetrug der Mensch fähig ist.

 

Wie konnte das passieren? Um ein Haar hätte die Heuchelei gesiegt! Dabei wusste es doch jeder: Tartuffe ist ein Betrüger, ein Scharlatan, ein Angeber, ein Lügner. Dennoch schafft er es, sich im Haus von Orgon und seiner Familie unentbehrlich zu machen. Und wie zum Teufel macht er das? Er, der keinerlei moralische Ansprüche an sich selbst stellt, der verschwenderisch, genusssüchtig und ganz und gar hedonistisch lebt, hat aber gleichzeitig das Charisma eines Heilsbringers: Er predigt Moral, er stiftet Sinn, er propagiert einen gesunden Lebensstil und trifft damit bei Orgon ins Schwarze. Bald werden dem Betrüger Haus und Besitz überschrieben. Jetzt ist die Familie gefragt. Irgendwie muss dieser Lügenbaron doch aufzuhalten sein? Doch sämtliche Bemühungen, Tartuffe zu entlarven, führen nicht zum Ziel, sondern verkehren sich teilweise sogar ins Gegenteil. Mehr Komödie und Absurdität gehen kaum!

Molière zeigt uns mit Tartuffe eine Figur, die so offensichtlich lügt, dass sich die Balken biegen, aber lange Zeit nicht brechen. Umso erschütternder ist es allerdings, dass der Mann trotz aller Skrupellosigkeit so erfolgreich ist und es niemandem gelingt, ihn aufzuhalten in dieser Welt der scheinheiligen Konventionen.

„Boris C. Motzki inszenierte Molières „Tartuffe“ für die Burghofbühne Dinslaken als rasante Hommage an französische Komödien und Chansons der 60er.“ (WAZ, 12. 01. 2020, Bettina Schack)

Fotos: Martin Büttner

Eintrittspreis – Einzelkarte:
19,00 € (Einheitspreis auf allen Plätzen)

Ein kleiner Einblick in die Aufführung: