1970 flimmert erstmals das »Tatort«-Fadenkreuz über den Bildschirm. Nur ein Jahr später zog die DDR mit dem »Polizeiruf 110« nach. Staats- und Parteichef Erich Honecker persönlich hatte vom Studio Berlin Adlershof ein unterhaltsameres Programm für die DDR-Fernseh-Zuschauer*innen gefordert ‒ befürchtete er doch, sein Publikum an den Westen zu verlieren. Inhaltlich ein schwieriges Unterfangen, durfte es im sozialistischen Deutschland doch offiziell keine Verbrechen geben. Als Götz George in den 80er-Jahren mit seinem notorisch nuschelnden Underdog „Schimanski“ die Figur des »Tatort«-Kommissars auf bahnbrechende Weise revolutionierte, hatte dies sogar innerdeutsche Konsequenzen. Mit Darsteller*innen wie Andreas Schmidt-Schaller alias Thomas Grawe leistete man sich nun auch im
Arbeiter- und Bauernstaat von nun an lässig getragene offene Hemdkrägen und mehr Individualität.

Heute sind die Entwicklungen der beiden Krimiserien kaum ohne einander zu denken. Manche Großstädte „beschäftigen“ gar je ein »Tatort«- und ein »PolizeirufCTeam, wie beispielsweise München. Doch bis dahin war es ein weiter Weg deutscher (Fernseh-) Geschichte. Kaum eine Serie spiegelt aktuell brisante Entwicklungen, wie diese beiden, von der Wiedervereinigung über die Flüchtlingskrise und ihren Folgen bis zum Kindesmissbrauch und Klimawandel. Kurz nach der Public-Viewing-Fußballweltmeisterschaft 2006 wurde auch das
gemeinsame Krimi-Gucken Kult und ist es mit Rekordeinschaltquoten bis heute.

Der Termin für diese Projektentwicklung wurde bewusst auf einen Mittwoch gelegt. So kann die Fan-Gemeinde des »Tatort« und des »Polizeiruf 110« am Sonntag vor und nach der Theateraufführung – wie gewohnt – den Krimi-Abend zelebrieren.

Eintrittspreis – Einzelkarte:
19;00 € (Einheitspreis auf allen Plätzen)

Hannah Frauenrath studierte Regie an der Folkwang Universität der Künste Essen. In der Spielzeit 2021/2022 stellte sie sich – damals noch als Studentin – mit einer digitalen Inszenierung von Julia Herrgesells Kurz-Stück »Echtzeit-Komplizen« – das noch immer auf unserer Homepage zu sehen ist, am Landestheater Detmold vor.

Mit der Stückentwicklung »TATORT 110 – Zwei Krimiserien auf der Spur« – spürt Hannah Frauenrath mit ihrem dreiköpfigen Ensemble den beiden urdeutschen Krimiphänomenen nach. In ihrer Stückentwicklung stellt eine deutsche Durchschnittsfamilie ihr trautes Eigenheim einer Produktionsfirma für einen »Tatort«-Dreh zur Verfügung. Sehr schnell verschwimmen dabei die Rollen. Aus passiven Tatort-Zuschauer*innen werden potentielle Täter*innen, Kommissar*innen und Autor*innen, die sich gegenseitig verdächtigen. Dabei tritt das klassische „Whodunit“ zunehmend in den Hintergrund. Viel wichtiger ist: Wer ermittelt wie und inszeniert hier wen? Welches Ermittler*innen-Team hat ultimatives Kult-Potenzial? Und welche sozialen Strukturen werden durch das wöchentliche Krimi-Ritual eigentlich zusammengehalten? Wird das eigentlich immer so weiter gehen?