Shakespeare unter erschwerten Bedingungen
Das Neue Globe Theater Potsdam kam mit einer Komödie von Ephraim Kishon in den Drosselsaal des Bocholter Textilwerkes: „Es war die Lerche…,“ so lautete der Titel. Shakespeares Romeo und Julia waren sich uneineins damals bei ihrem letzten Tet-a-tet. Romeo hörte eine frühmorgendliche Lerche und wollte rasch aufbrechen. Julia riet zum Verweilen, weil sie in dem Vogelgesang eine Nachtigall hörte, die zum Bleiben animierte. Man zog daraus die falsche Konsequenz und starb. Was aber, wenn sie nicht gestorben wären? Die Komödie zeigte, wie es hätte werden können.
William Shakespeare persönlich mußte erscheinen und als Paartherapeut tätig werden. Man hatte sich nämlich gewaltig auseinandergelebt. Der Streit um die Lerche war immer noch virulent und hatte die Dissonanz in all den Jahren nur befeuert. Die Präsenz des Dichters symbolisierte eine Lebendigkeit und Zeitlosigkeit seiner Werke, aus denen reichlich in originaler Schlegelscher Übersetzung zitiert wurde. Das wirkte regelrecht authentisch und war einem echten Londoner Globe-Theatre ebenbürtig.
Dabei gab es nur die drei Regina Gisbertz, Andreas Erfurth und Martin Radecke auf der Bühne. Deren empathischer Vortrag im Multitasking mit blitzschnellen Wandlungen ließ die Truppe als eine ansehnliche Schauspiel-Companie für die große Bühne erscheinen.
Und da genau setzte das Problem des Abends ein. Der Drosselsaal war der Aufführung nicht annähernd gewachsen. Die schauspielerische Leistung erschien so zu Unrecht bisweilen überdimensioniert. Darunter litten Verständlichkeit des Textes und die Beweglichkeit des Schauspiels insgesamt. Ganz abgesehen von den klimatischen Bedingungen, die die schauspielerische Leistung und deren Aufnahme erschwerte. Ein Grund mehr, die Wiederherstellung der „großen Bühne“ in dieser Stadt nicht kleinzureden, sondern zügig voranzubringen. So war die Aufführung doch nur Lerche und nicht Nachtigall.
Werner Loock









