Märchen von Theodor Storm in der Aula des AVK-Bocholt
Es gab Kindertheater im August-Vetter. Zu Besuch war das Westfälische Landestheater Castrop-Rauxel mit einem Märchen von Theodor Storm für Kinder ab vier Jahren: „Der kleine Häwelmann.“ Das eigentliche Stück dauerte zwar nur zwanzig Minuten. Dennoch fiel auf, daß die vielen Kinder, die gekommen waren, ungewöhnlich konzentriert wirkten. Der Vortrag der alleinigen Mare Kraus war aber auch etwas der besonderen Art, sportlich wie eine Düsseldorfer Radschlägerin, obwohl sie aus Köln kam, dann geschmeidig, teils mit großer Geste, teils aber auch sehr verhalten, klein, entschleunigt, meist im getragenen Sprechgesang.
Dramaturgisch bleib die eigentliche Intention Storms mit diesem Stück eher im Verborgenen. Wer in der Unruhe des kleinen Zappelphilips die Sehnsucht nach Halt und Geborgenheit suchte, blieb ein wenig ratlos.
Auch bei den Kindern in der anschließenden Diskussion mit der Schauspielerin offenbarten sich Ungewissheiten. Was sie denn alles gesehen hätten bei dem Stück, das vorrangig vom Mond handelte. „Die Sonne!“ kam es spontan aus dem Publikum; gut, die kam zu guter Letzt, aber es wäre vielleicht auch ohne sie gegangen. Wie der Stern denn heiße, was ihr Lieblingsmoment im Stück gewesen sei, Fragen, die unbeantwortet blieben. Dagegen brach sich die kindliche Realität Bahn. Zum Beispiel die Frage, ob man denn wie die Tiere im Wald schnarchen könne, wurde auf der Stelle von den vorderen Plätzen pariert mit: „Papa kann sehr gut schnarchen, Papa mach doch mal!“ So hatten auch die Erwachsenen ihren Heidenspaß. Also von wegen nur Kindertheater!
Werner Loock


