Nachlese – IL FLORIDANTE

Barock-Oper trifft Neue Welt

Opernaufführung des Theatervereins im Drosselsaal am 23.02.2026

Georg Friedrich Händels Oper „Il Floridante“ von 1721 spielt fiktiv in Persien und ist großes Drama mit den opernüblichen Verwicklungen. Schon zu Händels Zeiten wurden ferne Orte gewählt, um Unzufriedenheit mit herrschenden Umständen oder Personen ungefährdet zu projizieren und die immerwährende Wahrheit über menschliche Charaktere erträglicher zu machen. Herrscher, deren einzige Begründung ihrer Machtausübung „weil ich es sage“ ist, wird es offenbar immer geben.

Nun kommt das Ensemble Cembaless ins Spiel. Sie sind Spezialisten für Alte Musik und haben die wesentlichen Stationen der Oper für ihre Besetzung arrangiert. David Hanke und Annabell Göbler (Blockflöten in allen Größen), Stefan Koim, Anna Lachegyi und Robert Vermeulen (Barockgitarren, Gambe, Theorbe), Syavash Rastani (Percussion) und Elisabeth v. Stritzky (Gesang) füllten den Drosselsaal mit dem besonderen Klang der barocken Instrumente. Brillant waren die virtuosen Blockflöten, besonders berührend ein schlichtes Trio mit Zupfinstrumenten (Laute, Theorbe und Gambe gezupft), überraschend das farbenreiche Spiel des Persussionisten und faszinierend die Gesangsarien. Elisabeth v. Stritzkys zu Herzen gehende Stimme, die leicht und dicht zugleich die barocken Koloraturen sowie die tiefe Verzweiflung der Protagonistin ausdrückte, zog die Zuhörer in ihren Bann.

Und dann war da noch der Erzähler: Boris Aljinovic „moderierte“ das Geschehen. In Reimen erzählte er die Handlung. Mal witzig, mal bissig kommentierend den verschiedenen Personen unterschiedliche Stimmen verleihend, entstand so die Szenerie der Oper vor dem inneren Auge der Besucher.

Diese waren im Laufe des Abends aufgefordert, über ein Abstimmungstool per Handy ihre Meinung zu einigen Fragen kundzutun. Zum Beispiel „Was wäre ihnen im Falle eines Konfliktes wichtiger: moralische Prinzipien einzuhalten oder Überleben?“, “Wer soll der nächste König werden?“

Am Ende dann, nachdem die Handlung durch die heimliche Heldin operngerecht doch im Guten endete, fand eine „Gerichtsverhandlung“ statt. Die Besucher durften als „Schöffen“ über das Strafmaß für den bösen König entscheiden. Vorgeschlagen waren hier: Kerker, Verbannung, ein Ehrenamt im Textilwerk oder Mitarbeit bei der Renovierung des Stadttheaters. Boris Aljinovic trug die Anklage gerichtsfest vor und sprach das Urteil zur allgemeinen Freude der Besucher: die Renovierung des Stadttheaters!

Mit dem bemerkenswerten Schlusssatz, dass auch das kleinste Licht die Dunkelheit erhellt, entließen die Ausführenden das begeisterte Publikum in den Abend. Standing Ovations!

Text: Annette Oehmen
Bilder: Klaus Oehmen

 

Große Oper in kleiner aber feiner Besetzung

Das Stadttheater Bocholt lud ein ins Lernwerk.

Im Bocholter Lernwerk wurde auf großer Bühne eine ganze Oper aufgeführt. Der Moderator Boris Aljinovic, ein früherer Tatort-Kommissar, verhieß große Kunst allerdings „auf die Frage nach Requisiten ein klares Nein! Das einzige Bühnenbild wird jetzt und hier die Sprache sein, Sprache die bloß durch den Gebrauch von ein paar Worten schafft, euch Bilder aufzuzeigen…“ und auch preislich ausgesprochen vorteilhaft sei, wie er dann noch schelmisch ergänzte.

Mitgebracht hatte er ein Barock-Septett, das alles dabei hatte, nur kein Cembalo! Folgerichtig nannte man sich „Cembaless“. Das war schon ziemlich witzig. Dass sie dann auch noch die voluminöse Oper „Il Floridante“ von Georg Friedrich Händel aufführen sollten, schien unglaublich, wo doch Solisten im Sopran, Mezzosopran, Alt, Baß, ein ganzes Orchester „und“ ein Cembalo vonnöten gewesen wären.

Aber schon nach den ersten wenigen Takten war deutlich, daß es sich hier um ein hochklassiges Barockensemble handelte mit den brillanten Flötisten Annabell Göbler und David Hanke, die alle möglichen barocken Verzierungen und Griffe in den unterschiedlichsten Registern zur Verfügung hatten.

Robbert Vermeulen mit seiner turmhohen Theorbe dominierte die Rezitative, getragen von dem satten kontrapunktischen Klang der Gambe mit Anna Lachegyi, die in mancher Arie auch zu solistischer Höchstleistung aufsteigen konnte. Die Barockgitarren des Stefan Koim waren gut für Harmonien wie für farbenprächtige Soli. Syavash Rastani brachte es fertig, mit scheinbar wenig Trommelfell ein Universum von unterschiedlichen Rhythmen zusammenzuzaubern.

Über allem erhob sich der barocke Sopran der Elisabeth von Stritzky, die auch gut war für tiefe Altlagen, alles mit Virtuosität, emotionaler Tiefe, starken dissonanten Vorhalten, reichen Verzierungen und mit einem erstaunlich geraden, vibratoarmen Ton. Am Ende mischte sich sogar der Herr Tatortkommissar unter die Musiker und gab den bis dahin fehlenden Baß im Schlußchor. Nichts war also vonnöten gewesen, alles war da, auch der begeisterte Applaus des Publikums.

Werner Loock

Das BBV berichtete über die Aufführung: