Ein Klang wie aus einem Guss: Das NOVO Quartet begeistert in Bocholt
Im Unterschied zu vorherigen Generationen sucht die jüngere Generation der Streichquartette nach einem schlanken, glasklaren, schlackelosen Ton.
Als Beispiel par excellence war am Montag auf Einladung des Stadttheater Bocholt e.V. im LernWerk das „NOVO Quartet“ zu erleben. Die vier dänischen Musiker Kaya Kato Møller, Nikolai Nedergaard (Violine), Daniel Śledziński (Viola) und Signe Ebstrup Bitsch (Cello) präsentierten Joseph Haydns Streichquartett G-Dur in nuancen- und farbenreicher Leichtigkeit. In klanglich glasklarer Transparenz spielten sie wie auf einem Instrument, mühelos gelangen die filigranen Figurationen des Stückes.
Dass man mit diesem Klangideal auch richtig ruppig spielen kann, offenbarte dann György Ligetis 1. Streichquartett „Métamorphoses nocturnes“. Dieses in den 1950er-Jahren komponierte Stück erscheint den Zuhörenden wie eine musikalische Traumwelt, die in verschiedenen Episoden zwischenzeitlich zum Alptraum gerät: von flirrenden Klängen, die einem Wispern gleichen, über schreiende Klänge in herben Dissonanzen zu (fast) harmonischen glasklaren Klangflächen, über die sich die 1. Violine in einer elegischen Tonfolge erhebt. Eine Walzer-Parodie, die in jazzigen Rhythmen endet und schließlich in mechanisch aggressive Motorik übergeht. Das Stück endet, wie es begonnen hat, im flirrenden Nichts. Das junge Quartett meisterte die horrenden Schwierigkeiten in unfassbarer Einheitlichkeit.
Zum Abschluss gab es dann Felix Mendelssohns Quartett in D-Dur, op. 44/1, ein hochvirtuoses romantisches Werk. Auch hier beeindruckte der gleichermaßen transparente wie zupackende Klang des Ensembles. Besonders berührend war der langsame Satz, dargeboten ohne künstliche Attitüde, einfach nur schlicht zu Herzen gehend – wie auf einem Instrument gespielt.
Das begeisterte Publikum, das stehend applaudierte, wurde von den vier sympathischen Musikern mit einer Zugabe des dänischen Komponisten Niels Gade in den Abend entlassen.
Text: Annette Oehmen
Bericht im BBV:










