Nachlese – Der zerbrochne Krug

Theaterstück über sicher geglaubte Gerechtigkeit

Das Westfälische Landestheater Castrop Rauxel brachte in der Aula des St. Georg-Gymnasiums Heinrich von Kleists Tragikkomödie „Der zerbrochene Krug“ in einer bemerkenswerten Inszenierung. Da geriet die als sicher geglaubte Gerechtigkeit nach und nach subjektiv und fehlerhaft, geprägt von Misstrauen, Lügen und Schuldzuweisungen. Das vorzuführen gelang dem Ensemble dank einer überraschend unkonventionellen Dramaturgie, aus der heraus sich eine beachtliche schauspielerische Leistung entfaltete. Assoziationen zu gewissen politischen Figuren drängten sich auf, bei denen der Sinn für Gerechtigkeit, Recht und Moral ebenso zweifelhaft ist wie bei Kleists Dorfrichter Adam, der mit Guido Thurk zunächst großspurig, dann aber zunehmend kleinlaut und erbärmlich daherkam. Eves Monolog mit Lesley-Ann Eisenhardt dramaturgisch ans Ende verfrachtet wurde zum absoluten Höhepunkt der Aufführung. Im ausverkauften Saal war es plötzlich mucksmäuschen still. Der anhaltende Erfolg dieser Produktion in der hiesigen Region mit 15 Aufführungen alleine nur im November war nachvollziehbar.

Dr. Werner Look

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