Auf Einladung des Theatervereins Bocholt gastierte das Trio Kontur im stimmungsvollen Rahmen des Historischen Rathauses und bot dem Publikum einen ebenso anspruchsvollen wie eindrucksvollen Konzertabend. Das Streichtrio mit Caroline Frey (Violine), Ainis Kasperavicius (Viola) und Mathieu Joqué (Violoncello) widmete sich Werken der ungarischen Spätromantik und überzeugte durch ein hohes interpretatorisches Niveau sowie große stilistische Sicherheit.
Den Auftakt bildete die Serenade op. 10 von Ernő von Dohnányi, die bereits die klanglichen Qualitäten des Ensembles eindrucksvoll zur Geltung brachte. Besonders die wunderschönen Kantilenen im zweiten und vierten Satz bestachen durch Wärme und sangliche Gestaltung, während die chromatische Fuge des dritten Satzes mit klarer Struktur und spannungsreicher Dynamik ausgearbeitet wurde.
Es folgte Musik von Sándor Veress, die von Cellist Mathieu Joqué in einer sympathischen und informativen Moderation als „Zwölftonmusik, aber nicht so extrem“ angekündigt wurde. Tatsächlich gelang es dem Trio, die komplexe Tonsprache transparent und zugänglich zu präsentieren, ohne deren expressive Schärfe zu glätten.
Nach einem kurzen Intermezzo von Zoltán Kodály stand mit dem Streichtrio op. 6 von Leó Weiner ein weiteres Highlight auf dem Programm. Vor allem das „Allegro con fuoco“ des vierten Satzes wurde mit Verve und fast sportlicher Begeisterung dargeboten. In den ruhigeren Passagen beeindruckte die farbige, nuancenreiche Spielweise, insbesondere von Violine und Violoncello, die viele Zuhörer sichtbar berührte.
Insgesamt bewegte sich das Trio Kontur souverän im Spannungsfeld zwischen solistischer Präsenz und dichtem, harmonisch geschlossenem Ensemblespiel. Der begeisterte Applaus des Publikums wurde mit Zugaben von Hubert Parry sowie der 10. Variation aus den Goldberg-Variationen von Johann Sebastian Bach belohnt – ein schöner Ausklang eines rundum gelungenen Konzertabends.
Klaus Oehmen


